Schöpfungsgeschichten unserer Welt: Wähle deine Geschichte!

Himalayan Acad. Pub., Hawaii

Himalayan Acad. Pub., Hawaii

Aus dem Brihatka Upanischad, Indien, 9. Jahrhundert v. Chr.

Am Anfang gab es nichts außer dem Einen. Es dachte die tiefsinnigen Gedanken der Ewigkeit. Als ihm klar wurde, dass es ganz alleine war, fühlte es sich einsam und traurig. Da teilte es sich in zwei Teile. Dunkelheit und Licht, Meer und Himmel, Berg und Tal entstanden, auch der erste Mann und die erste Frau. Sie fühlten die Gemeinsamkeit der Liebe und hatten viele Kinder. Die Frau dachte aber, dass es nicht richtig sein könne, dass sie so viele geworden waren, und verwandelte sich in eine Kuh, um sich zu verstecken. Doch ihr Mann wurde zum Stier, und aus ihnen ging alles Vieh der Welt hervor. Die Frau verwandelte sich in viele andere Tiere, doch immer fand ihr Mann sie, und so wurden alle Tiere der Welt geschaffen. Das Eine wurde zu Allem.

 

Sancai Tuhui, University of B.C.

Sancai Tuhui, University of B.C.

Aus der Tradition Chinas

Am Anfang war Dunkelheit und Nichts. Pan Ku wuchs in einem Ei heran, das im Nichts trieb. Er schuf sich selbst und das Ei um sich herum. Nach achtzehntausend Jahren zerbrach das Ei. Die obere Eihälfte wurde zum Himmel, die untere zur Erde. Weil der Himmel zu fallen drohte, stemmte sich Pan Ku dazwischen und stand solange da, bis der Himmel seinen Platz gefunden hatte. Dann starb Pan Ku, und die Welt entstand: Seine Augen wurden zu Sonne und Mond, seine weißen Haare zu Sternen. Sein Schädel wurde zu Bergen, seine Zähne zu Felsen und Steinen. Sein Fleisch und die Knochen wurden zu Erde und Mineralien. Wälder und Felder entstanden aus seinen Haaren und seine Adern wurden zu Wegen. Aus Atem wurde Wind, aus Schweiß wurde Regen und die Stimme zu Donner. Der Regen bildete Flüsse und Meere. Pan Kus Flöhe aber wurden zu den Menschen und Tieren, die die Welt bevölkern.

 

Hubble Space Telescope, NASA

Hubble Space Telescope, NASA

Aus den Legenden in Arizona

Am Anfang gab es Dunkelheit, Staub und Wasser. Aus der dichtesten Stelle der Dunkelheit ging ein Mann hervor. Er überlegte sich einen Ort zu schaffen, zu dem er gehen könnte. Da schuf er die Welt aus Staub und Wasser. Er formte sie als einen Ball, den er vor sich her rollte und der beim Rollen immer größer wurde. Weil er die Welt aber nicht sehen konnte, erschuf er die Sterne aus Wassertropfen, dann den Mond aus Wasser und Sternenlicht. Aber er konnte die Erde immer noch nicht sehen und formte Schüsseln aus Lehm. Eine füllte er mit Wasser und Mondenschein, die andere deckte er darüber. Er blies seinen Atem über die Schüsseln, und nach langer Zeit war die Sonne entstanden. Er warf sie über sich, der Himmel entstand, und er konnte die Welt mit ihren Wäldern, Meeren und Bergen sehen. Er fand die Welt gut.

 

Odin & Völven, Lorenz Frølich

Odin & Völven, Lorenz Frølich

Aus den altnordischen Sagen

Am Anfang lag zwischen dem Norden, dem Land des Eises und dem Süden, dem Land des Feuers, das Land des Tauens. Das Meer bildete sich aus geschmolzenem Eis, und im Meer trieb ein Eisberg mit einem eingefrorenen Riesen. Die erste Kuh lebte am Rand des Meeres und leckte am eingefrorenen Riesen, sodass aus ihm Reifriesen und Götter, auch Odin, entsprangen. Die Götter töteten den Riesen und schufen aus seinem Körper die Welt, aus seinem Blut die Meere, Seen und Flüsse, aus seinem Fleisch das Erdreich. Aus seinen Knochen entstanden Berge und aus seinen Zähnen Felsbrocken und Steine.